»Regelstandards sind vor allem gefährlich, wenn sie die Zusammenarbeit von Menschen betreffen und erschweren. Und sie sind kontraproduktiv und führen mitunter zu Zynismus, wenn zugleich die Aufforderung im Raum steht, kreativ und mutig zu sein. Wenn sich Mitarbeitende und Führungskräfte für jeden Schritt rechtfertigen müssen, werden sie am Anfang noch versuchen, sich dagegen zu wehren, bis sie irgendwann erkennen, dass man Autonomie nur noch im privaten Umfeld ausleben kann.«
Wenn Regeln hinter Regeln regeln
Stefan Kaduk & Dirk Osmetz | Kursbuch 225 | März 2026 | Seite 66 – 84
Es gibt Anlass genug, die Welt der Regeln unter Komplexitätsverdacht zu stellen und sich davor zu hüten, zumal in Organisationen, auf »eindeutig geregelte Prozesse und Zuständigkeiten« zu hoffen und die Dinge lückenlos festzurren zu wollen. Wir wollen uns im Folgenden nicht mit den theoretischen Feinheiten der stillschweigenden Duldung von Regelverletzungen, mit der Rolle von Normen oder den Bedingungen der systemischen Einbettung von Ausnahmen befassen. Stattdessen blicken wir durch die Brille erlebter und erforschter Praxis in den Maschinenraum von Unternehmen und deren Umgang mit Regeln.
Die Hintergrundfolie liefert das Forschungsprojekt »Musterbrecher«, das wir 2001 gestartet und bis 2016 im universitären Kontext weitergeführt haben. Seitdem begleiten wir Organisationen beim sinnvollen Experimentieren mit neuen Mustern und stoßen dabei, wenig überraschend, immer auf die Frage, wie ein kluger Ansatz bei der Gestaltung und beim Umgang mit Regeln aussehen könnte.
